Leuchtendes Netzwerk aus Linien vor blauem Hintergrund mit bunten, zell- oder molekülähnlichen Punkten – symbolische Darstellung der homöopathischen Grundlagenforschung
Leuchtendes Netzwerk aus Linien vor blauem Hintergrund mit bunten, zell- oder molekülähnlichen Punkten – symbolische Darstellung der homöopathischen Grundlagenforschung.

Grundlagenforschung zur Homöopathie

Diese Seite behandelt zwei Themen. Das erste lautet: Was ist ein homöopathisches Präparat, physikalisch und chemisch betrachtet? Das ist Grundlagenforschung im engeren Sinn. Das zweite lautet: Wirkt das Präparat auf lebende Systeme wie Zellen, Pflanzen und Tiere, und wie lässt sich diese Wirkung erklären? Das ist präklinische Forschung.

Physik und Biologie stehen hier zusammen, weil sich die Wirkung ohne Kenntnis des Präparats nicht erklären lässt: Wie eine potenzierte Arznei biologische Reaktionen hervorruft, lässt sich erst sagen, wenn entschlüsselt ist, was in ihr wirkt.

Die Gesamtübersicht bis 2024

Zum Start der Seite steht eine Übersicht aller wesentlichen Arbeiten bis 2024 mit ihren Ergebnissen: Grundlagenforschung zur Homöopathie. Sie stellt die Messverfahren und Testsysteme vor, fasst zusammen, was sie bisher ergeben haben, und nennt Arbeitsgruppen, Organisationen und Datenbanken. Die laufend ergänzten Datenbanken führt das Institut für Komplementäre und Integrative Medizin der Universität Bern. [Link Uni Bern]

Schwerpunkte der Forschung seit etwa 1995

Die häufigsten Verfahren werden kurz beschrieben und in einfachen Worten erläutert.

Physik und Chemie der Potenzen

  • Kernspinresonanz (NMR)
  • UV-Spektroskopie
  • Solvatochrome Farbstoffe
  • Tropfenverdunstung
  • Thermolumineszenz
  • Elektronenmikroskopie und Nanopartikel-Messung
  • Zusammensetzung von Ausgangsstoffen und Nachvollzug historischer Herstellungsverfahren

Biologische Testsysteme

  • Zellen und zellfreie Systeme
  • Pflanzen: Wasserlinsen, Weizen, Kresse, Erbsen
  • Tiere: Vergiftungs-, Entzündungs-, Verhaltens- und Entwicklungsmodelle, Amphibien, Parasiten

Erklärungsmodelle

Aus den Verfahren und ihren bisherigen Ergebnissen haben sich mehrere Modelle ergeben, die nebeneinander kurz vorgestellt werden.

  • Wasserstrukturen und Kohärenzdomänen
  • Schwache Quantentheorie
  • Nanopartikel und Selbstassemblierung
  • Hormesis
  • Das Ähnlichkeitsprinzip im Zellmodell
  • Genexpression und Epigenetik

Was wir prüfen

Bei jeder Arbeit prüfen wir, was genau gemacht wurde, ob:

  • Versuchsaufbau und Kontrollen exakt beschrieben sind,
  • unabhängige Arbeitsgruppen das Ergebnis wiederholt haben,
  • die Kontrollen nachvollziehbar geeignet waren, die Ergebnisse zu bestätigen.

Was bisher erkannt ist

Die Gesamtübersicht zeigt wesentliche Fortschritte:

  • Potenzen unterscheiden sich physikalisch messbar von Kontrollen, die gleich verdünnt und gleich verschüttelt wurden. Am häufigsten bestätigt ist das mit Kernspinresonanz und UV-Spektroskopie.
  • Das Verschütteln ist dafür nötig. Proben, die nur gemischt wurden, zeigen diese Unterschiede nicht.
  • Potenzen sind kein reines Wasser. Sie enthalten gelöste Gase, Kieselsäure aus dem Glas und dem Wasser selbst sowie Nanopartikel, auch jenseits der Avogadro-Grenze.
  • Stabile Wassercluster, die eine Information dauerhaft speichern, wurden bisher nicht gefunden.
  • Biologische Wirkungen zeigen sich in allen Testsystemen, an Zellen, Pflanzen und Tieren. Mehr als 1.500 Experimente sind inzwischen in Metaanalysen ausgewertet.
  • Die Wiederholbarkeit hat zugenommen. 1999 war noch kein Versuchsmodell von einer unabhängigen Arbeitsgruppe bestätigt, 2010 waren es sieben.
  • Die Wirkung wächst nicht gleichmäßig mit der Potenzstufe. Wirksame und unwirksame Stufen wechseln sich ab, und die Abfolge unterscheidet sich zwischen Laboren.
  • Die Wirkung hängt vom Zustand des Organismus ab. Am deutlichsten zeigt sie sich, wenn der Organismus leicht, aber nicht zu stark geschädigt ist.
  • Zellen erholen sich nach einer Schädigung besser, wenn eine milde Nachbehandlung der vorangegangenen Schädigung ähnlich ist.

Dass die Wirkung von der Potenzstufe, vom Zustand des Organismus und von der Ähnlichkeit der Nachbehandlung abhängt, sind wiederkehrende Beobachtungen, die noch systematisch geprüft werden müssen; sie gelten derzeit als Arbeitshypothesen.

Was offen ist

  • Welche Eigenschaft des Präparats die Wirkung verursacht.
  • Wie die Wirkung im Organismus zustande kommt.
  • Warum die wirksamen Potenzstufen von Labor zu Labor wechseln.
  • Welche Rolle Zahl und Kraft der Schüttelschläge, das Gefäßmaterial, Wärme und Licht spielen.
  • In welcher Weise die physikalischen Messbefunde und die biologische Wirkung zusammenhängen.
  • Wie sich Befunde aus dem Labor auf den kranken Menschen übertragen lassen. Wenn die Reaktion dem Organismus zugeordnet wird und nicht dem Stoff, gibt es keine Wirkungskurve, die für den Stoff allein gilt.

Die bisherigen Ergebnisse weisen in unterschiedliche Richtungen, auf denen weitere Forschung aufbauen kann. Dafür ist die Zusammenarbeit mit den modernen Biowissenschaften unerlässlich. Zwei junge Forschungsfelder könnten neue Zugänge eröffnen: die Quantenbiologie, die Quanteneffekte in lebenden Systemen untersucht, und die Forschung zu biomolekularen Kondensaten, also zu Strukturen, die sich in der Zelle ohne Membran selbst organisieren. Beide könnten helfen, Forschungsmodelle für den Wirknachweis potenzierter Arzneien zu entwickeln.

Prüfung und Vorstellung einzelner Arbeiten

Weiterhin werden wichtige Arbeiten auf dieser Seite einzeln aufgearbeitet: verständlich zusammengefasst, am Original geprüft und in ihrer Bedeutung eingeordnet:

Arbeiten, die der weiterführenden Forschung den Weg bahnen. Bsp.: Marcus Zulian Teixeira hat an Daten der Arzneimittelsicherheit gezeigt, dass viele konventionelle Arzneimittel nach dem Absetzen einen Rückschlag auslösen: Der Zustand wird schlechter als vor der Behandlung. Im Rückschlag zeigt sich die Gegenregulation des Organismus, die auch das Ähnlichkeitsprinzip nutzt - hier gesehen von der Seite der Arzneien, die der Krankheit entgegenwirken.

Zusammenfassungen biologischer Prinzipien mit ihren Schnittstellen zu Erklärungs- und Unterscheidungsmodellen. Bsp.: Hormesis - derselbe Stoff wirkt in niedriger Dosis anregend, in hoher hemmend oder schädigend. Die Zusammenfassung zeigt, welche homöopathischen Beobachtungen die Hormesis erklären kann und worin sich homöopathische Arzneien von ihr unterscheiden.

Die wegbahnenden Arbeiten und die Zusammenfassungen biologischer Prinzipien dienen demselben Zweck: Sie prüfen das Grundverständnis, auf dem Erklärungen der Homöopathie aufbauen, und schaffen eine gemeinsame Grundlage für einen sachlichen, weiterführenden Dialog zwischen Forschung, Praxis und Kritik.